Luft-Boxer

Die Seite für Freunde der luftgekühlten Boxermotoren

Bulli und Porsche.jpg


"2b or not 2b,

that is the question"


William Shakesbus, 1972

TOBI, UND WIE ES DAZU KAM

von Lutz Müller-Lobeck

Angeblich habe ich erst Autos am Geräusch zu unterscheiden gelernt, und dann sprechen. Das charakteristische Geräusch, das ein luftgekühlter Boxermotor macht, vor allem wenn er im Heck eines Käfer oder Bulli blubberte, hatte es mir von Anfang an am meisten angetan.


Als Kind durfte ich dann bei Sanitätsbetreuungen oder Katastrophen- schutzübungen den Leiter des Kochtrupps begleiten, wenn er in großen sogenannten "Thermophoren" mit dem Kübel die Erbsensuppe ausfuhr...

Irgendwann in meiner Kindheit - ich denke, es muss so ungefähr in dieser Zeit, den späten 70er-Jahren gewesen sein - habe ich dann das Buch "Heul doch den Mond an" von Werner J. Egli gelesen. Er beschreibt in diesem Jugendbuch eine Episode aus seinem eigenen Leben. Mit seiner damaligen Freundin bereiste er in den 60er Jahren in einem roten VW Bulli namens "Lipstick" Kanada, den Westen der USA und Mexico. Eigentlich handelt das Buch im Wesentlichen von dem Husky-Wolfs-Mischling "Dusty", den sie halbtot im Schnee im winterlichen Kanada aufsammeln, mit der Zeit leidlich gut domestizieren, und mit dem sie allerlei Abenteuer erleben. Eine wesentliche Rolle (und für mich die heimliche Hauptrolle) spielt aber der Bus "Lipstick". in dem sie leben, und der sie zu all den schönen und spektakulären Orten des amerikanischen Westens bringen sollte, die auch ich Anfang der 90er-Jahre mit einem "mobile home" besuchte.

VW Typ 181 Kurierwagen, landläufig „Kübelwagen“ genannt, obwohl der echte Kübel ein Wehr- machtsauto war.  Hier, Ende der 70er Jahre und vermutlich auf dem zweiten Bildungsweg, dient ein Typ 181 der Johanniter-Unfall-Hilfe Wiesbaden im KatS.


Der Mercedes-Rundhauber dahinter wäre heute auch ein Schätzchen...

"Heul doch den Mond an"

...wie der Werner mit der Paula und dem Dusty in "Lipstick" den amerikanischen Westen der Hippie-Zeit bereiste...


Aus purer Nostalgie nicht nur einmal gelesen, wie man sieht...

Dann durfte ich 1986 im Rahmen des Motorrad-Führerscheins  meine Fahrstunden auf einer BMW R 65 absolvieren (und damit erstmals einen Boxermotor selbst bewegen), und anschließend die ersten Erfahrungen als PKW-Führerschein-Neuling mit dem T3-Bulli meines Vaters sammeln. Der Camper, ein niederländischer Cassandra Eureca, hatte den luftgekühlten 2-Liter-Flachmotor mit 70 PS (MKB CU), und mit dem waren wir ziemlich flott unterwegs. Bevor mein Vater das Auto kurz drauf verkaufte, waren meine Freundin und ich immerhin noch zu einem Campingurlaub am Bodensee.

Papaslufti-3

Dads T3-Bulli in Wiesbaden

und in der Bretagne, Ende der

80er Jahre

Kurz drauf, während des Zivildienstes, hatte ich Gelegenheit, sämtliche T3-Krankenwagen, die seinerzeit auf dem Markt waren, zu bewegen. Und dass die auch - etwa „mit Lichterglanz und Glockenspiel“ - recht schnell unterwegs sein können, und was für ein Gefühl es ist, wenn es einen beim flotten Anfahren an der Ampel vorne aus den Federn hebt, weil man ja auf der Achse sitzt, habe ich seither nicht vergessen. Klar, der Favorit damals war ein 98-PS-Wasserboxer mit Flachdach, der sich vor allem klar von den schnarchigen 50-PS-Hochdach-Dieseln abhob, aber dann gab es da noch ein Schätzchen: den Baby-Notarztwagen auf Basis eines T2. Den mussten wir nur selten aus seiner Parkbucht holen, glücklicherweise, aber wenn, dann hatte der, weil schon damals irgendwie antiquiert, einen hohen Kultfaktor.

T2b-Baby-NAW des ASB Wiesbaden, als "Sama 59" in Dienst gestellt, noch 1989 in meinem Zivildienst als "Sama 85/81" im aktiven Dienst.


Vielen Dank an Georg R. vom ASB Wiesbaden, der unter Einsatz seines Lebens tief, ganz tief in die Archive des ASB vordrang, um dieses Foto zu finden. Inzwischen kann er wieder feste Nahrung zu sich nehmen...

Anschließend geschah erst mal gut 20 Jahre nichts. T4 und T5 fuhr man immer mal, beruflich oder privat, aber Kult waren die nie. Immerhin auf zwei Rädern wurde ich aber ab 2002 zum Boxerfahrer: erst mit einer BMW R 1150 R, später einer R 1200 GS triple black.


Ein Südamerika-Urlaub 2012 frischte dann die Erinnerung auf, und so brachten wir viele Bilder und eine wiedererwachte Sehnsucht mit nach Hause.


Als nun Anfang 2013 unsere Hochzeit anstand, war für mich klar, dass ich gerne in einem T2 vor dem Standesamt vorfahren wollte. Leider fand sich in Berlin - für den unerfahrenen Sucher - kein zuverlässiger Anbieter, so dass uns mein Kollege Alex stattdessen seinen 1964er Porsche 356 C zur Verfügung stellte.

Alex‘ Porsche 356 C im Hochzeits- ornat vor dem Standesamt

Ab jetzt hatten wir definitiv Blut geleckt. Alex versorgte uns mit Geschichten rund um das Oldie-Leben, wir durften viele Kilometer im Porsche abspulen - und nachdem auch meine Frau von der Lust am Oldie allgemein und dem Kultfaktor Luft-Boxer im Speziellen angesteckt worden war, haben wir uns konkret auf die Suche nach unserem eigenen Luftgekühlten gemacht. Eigentlich sollte es ein normaler T2b-Kombi sein, aber da wir auf jeden Fall auch eine campermäßige Nutzung vorhatten, war schließlich - nachdem uns dieses Angebot eines T2b Typ 23-517 Westfalia Camper in der Ausstattungsvariante Berlin mit dem gewünschten großen Flachmotor ins Haus flatterte - klar, dass dies unser Tobi sein sollte. Tobi? Das war eine spontane Assoziation: aus „Zwei Be“ über „two bee“ zu „Tobi“...

Tobi, so wie er in der Halle des Händlers stand. Vorne ein sehr schöner Käfer, hinter dem Bus links ist die Nase eines T1 zu erkennen, und auch der rosa Ossi hinten oben ist ein entfernter Verwandter aus der Familie der Luftgekühlten...

So startete der zweite, große Akt: in Form dieser ersten, schnellen Skizze nahm der Wunsch nach einem T2 als Hochzeitsauto Gestalt an. Entstanden Anfang 2013 während eines Gesprächs bei der Arbeit...

Impressionen von und Wissenswertes

über TOBI

  • VW Typ 2, T2b (23-517) Westfalia-Camper Ausführung "Berlin" (was sonst)
  • Produktionsdatum: Mittwoch, 22. Dezember 1976
  • Erstzulassung April/Mai 1977 (Kaufvertrag vom 29.04.1077)  in Satellite Beach, Florida, USA, für Larry G. Ferguson, 444 Blue Jay Lane, Sat. Bch., FL
  • Anzahl der Besitzer in USA unbekannt
  • US-Abmeldezertifikat 2009, ausgestellt für Randall Bartley, Tompkinsville, KY, USA
  • Export von US Customs and Border Protection New York/Newark bestätigt im April 2010
  • anschließend nicht zugelassen bis zur Zulassung in Deutschland im Mai 2013


  • Glaubwürdige rund  71.000 Meilen auf der Uhr
  • In Deutschland umgerüstet von USA-typischem Typ-4-Einspritzer-Motor (GD) auf  2,0-L CJ-Motor mit Doppelvergaseranlage (Laufleistung unbekannt)
  • Innenraum (Westfalia-Aufbau) in gebrauchtem Originalzustand, 2013 auf europäische 220 V umgerüstet, Kühlschrank erneuert (Kondensatorkühlschrank), Gasversorgung TÜV-gerecht neu und Kochfeld eingedeutscht.


  • Was wir schon gemacht haben: 2014 Einbau einer Anhängerkupplung (Transplantat aus einer hirntoten T2b-Behördenpritsche), Einbau eines modernen, aber zeitgerecht aussehenden Autoradios (Retrosound) mit Stereolautsprecher an originalem Ort zentral unter Instrumententafel, Erneuerung Bremsen hinten und Lenkgestänge, Endschalldämpfer, Kupplung erneuert, Schaltgestänge saniert. Unterboden grundgereinigt, Schutz neu aufgetragen, Heckabschlussträger und -blech erneuert. .
  • Ebenfalls 2014 1980er 400-kg-Westfalia-Anhänger erstanden, Cellastofedern ausgetauscht, "Jungfernfahrt" bestanden.
  • 2015: Motor-Totalrevision: alle Lager und Dichtungen getauscht , Ventilsitze teils erneuert und Ventile eingepasst. 3-Punkt-Gurte hinten nachgerüstet (notwendig für den Kindersitz) - links mit Adapterkonstruktion im Kleiderschrank von www.bushaltestelle.berlin.
  • 2016: der örtliche BOSCH-Dienst hat sich durch die Nachspannung der Federvorspannung an den Drehstabfedern der Hinterachse verdient gemacht.Endlich ist Tobi wieder auf Niveau...


Letzte Änderung 15.12.2016